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Frittenparadies Brüssel – Mythos und Wahrheit

Sind belgische Fritten wirklich so gut wie ihr Ruf? Oder enttäuschen die gelb-schwarz-rot gestreiften Kartoffelstengel? Hier kommt der Test: Im Europaviertel, einen Steinwurf von Brüssels angeblich bestem Hotel entfernt, befindet sich „“Maison Antoine“ Brüssels angeblich beste Pommesbude.

Man erzählt sich, zeitweise müsse man über eine halbe Stunde anstehen, um in den Genuss der krossen, goldbraun frittierten Erdapfelzubereitung zu kommen. Der erste Eindruck: Ein waldorfschulrundes Gebäude, das über den Status einer Bude hinausgewachsen ist, aber gleichzeitig noch nicht den Geist eines „Wirtshauses“ atmet. Positiv: Schlange stehen fällt aus: Wegen schlechter Witterung? Oder lässt die Pommeswelle der letzten Jahre etwa schon wieder nach? Die Fassadengestaltung von Antoines Bude läd dazu ein, mithilfe verglibter Artikel in Erinnerungen zu schwelgen.

Hach, das waren noch Zeiten, als Brüssel die Weltpommesstadt Nr.1 war – bevor sie 2008 durch das südchinesische Pom Fiz abgelöst wurde. Nostalgienote: 2 Nach kurzem Zögern entscheide ich mich für den Klassiker: Pommes mit Ketchup. Zunächst zeigt sich die ockerfarbene Pracht von ihrer besten Seite: Eingetütet in rund 20 Blätter Papier präsentieren sich fettig frisierte Pommes (daher auch der Name Pomm Fritz) mit einem großzügigen Klecks Ketchup.

Ob das mundet? Optisch jedenfalls eine klare 1-2. Trotz ästhetischer Vorzüge entpuppt sich die Tütenform dann doch als nachteilig. Gerade bei schlechtem Wetter kann man das Potatoe-Package nicht abzustellen und in der Zwischenzeit die Hände in der Tasche wieder aufwärmen. Wo sind bloß die Heizpilze, wenn man sie braucht? Im Handling ist ein ein Abzug fällig (Schulnote: 3-4). Eine erste sensorische Einschätzung zeigt: Nicht übel, aber auch nicht soonsastionaal, wie die Flamen beim Konsum guter gestifteter Ess-Kartoffeln ansonsten entzückt auszurufen pflegen. Kulinarisch irgendwo angesiedelt zwischen X (Tübingen) und Kochlöffel. 3 +. Obacht,Detailkritik: Beim weiteren Genuss stellt sich heraus, dass der Soßendurchdringungsgrad unzureichend ist. Wie die Aufnahme verdeutlicht, ist das untere Drittel der Tüte offensichtlich nicht ausreichend tomatiert. Soßendurchdringungsgrad: 4-5

Grund genug, noch einer 2. hausgemachten Sauce eine Chance zu geben. Die Empfehlung des Patrons lautet: weiße Sauce à la maison. Eine runde Sache. Schmeckt wie Bressot, also ganz passabel, aber diese Sauce hätte ich jetzt lieber auf einem Brot. Soße 2: 3+

Die Pommestüte neigt sich dem Ende entgegen und abermals zeigen sich Mängel im Detail: Aufgrund zu geringen Eigengewichts, fliegen ständig Pommes-Reste und Einzelblätter davon. Das ist verbesserungsfähig. Note: 4

Dramatisches Finale: Beim drittletzten Kartoffelfettbratling bricht die Gabel ab. Das ist nicht akzeptabel. Am Besteck sollte man nicht sparen. Glück im Unglück: Von 3 Zinken bleiben immerhin zwei erhalten. Note: 5- Gesamtbewertung: Alles in allem eine solide, aber nicht überragende Leistung. 4-3.

Gu-guten Appetit!

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